Was KI-Kompetenz genau ist
KI-Kompetenz ist ein Begriff aus der EU-KI-Verordnung, auf Englisch AI Literacy. Gemeint ist, dass Menschen die KI-Werkzeuge, mit denen sie arbeiten, sinnvoll einsetzen und ihre Grenzen kennen: Sie wissen, dass eine überzeugend formulierte Antwort falsch sein kann, welche Daten nicht in ein fremdes Werkzeug gehören und wann ein Ergebnis geprüft werden muss.
Die Verordnung definiert den Begriff in Artikel 3 Nummer 56. KI-Kompetenz sind danach „die Fähigkeiten, die Kenntnisse und das Verständnis, die es Anbietern, Betreibern und Betroffenen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Rechte und Pflichten im Rahmen dieser Verordnung ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen sowie sich der Chancen und Risiken von KI und möglicher Schäden, die sie verursachen kann, bewusst zu werden“ (Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 3 Nr. 56).
Was bedeutet KI-Kompetenz nach Artikel 4?
Artikel 4 der KI-Verordnung macht aus dem Begriff eine Pflicht für Unternehmen. Er gilt seit dem 2. Februar 2025 und wurde durch die Verordnung (EU) 2026/1744 mit Wirkung zum 27. Juli 2026 geändert. In der heutigen Fassung ergreifen Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und aller Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind. Dabei sollen sie die technischen Kenntnisse, die Erfahrung und die Ausbildung dieser Menschen sowie den Einsatzkontext berücksichtigen. Ein bestimmtes Kompetenzniveau muss für niemanden garantiert werden (Europäische Kommission, AI Literacy: Questions & Answers, Stand 27. Juli 2026).
Bis zum 26. Juli 2026 verlangte der Artikel noch, nach besten Kräften für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz zu sorgen. Die Pflicht zu handeln ist geblieben: Unternehmen müssen etwas tun, aber kein Ergebnis bei jeder einzelnen Person sicherstellen. Neu ist, dass EU-Kommission und Mitgliedstaaten die Unternehmen dabei unterstützen, etwa mit Praxisbeispielen (Europäische Kommission, Juli 2026).
Für wen die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt
Die Pflicht trifft Anbieter, also Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln oder unter eigenem Namen anbieten, und Betreiber. Betreiber ist nach Artikel 3 Nummer 4, wer ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet, außer für rein persönliche, nicht berufliche Zwecke (Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 3 Nr. 4). Ein Handwerksbetrieb, dessen Büro Angebote mit einem Chatwerkzeug vorbereitet, ist damit Betreiber. Die EU-Kommission bestätigt in ihren Fragen und Antworten, dass auch Unternehmen, deren Mitarbeiter ChatGPT oder ähnliche Werkzeuge nutzen, ihre Mitarbeiter über Risiken wie erfundene Antworten informieren sollten (Europäische Kommission, Juli 2026). Was es mit solchen Halluzinationen auf sich hat, erklärt der eigene Lexikoneintrag.
Eine Untergrenze nach Betriebsgröße gibt es nicht. Erfasst sind neben den eigenen Mitarbeitern auch Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit dem KI-System arbeiten. Die Kommission nennt als Beispiele Auftragnehmer und Dienstleister (Europäische Kommission, Juli 2026).
Wie viel KI-Kompetenz in Unternehmen heute steckt
Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom nutzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland KI, im Vorjahr waren es 36 Prozent. 66 Prozent der Unternehmen schätzen die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten als gering ein. 25 Prozent bieten keinerlei KI-Schulungen an, im Vorjahr lag der Anteil bei 43 Prozent. Befragt wurden 603 Unternehmen im Sommer 2026 (Bitkom, Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, 14. September 2026). Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sind in dieser Erhebung nicht enthalten.
KI-Kompetenz nachweisen: Zertifikat, Schulung, Dokumentation
Ein Zertifikat verlangt die KI-Verordnung nicht. Die EU-Kommission schreibt in ihren Fragen und Antworten, dass keine Zertifikate nötig sind und ein internes Verzeichnis der Schulungen und sonstigen Maßnahmen genügt (Europäische Kommission, Juli 2026). Die Bundesnetzagentur, nach § 2 KI-MIG in Deutschland die zuständige Marktüberwachungsbehörde, zählt garantierte Kompetenzniveaus, standardisierte Trainings und externe Zertifizierungen zu dem, was nicht erforderlich ist. Sie empfiehlt aber, die Maßnahmen gut zu dokumentieren, weil ein Mangel an KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht angesehen werden kann (Bundesnetzagentur, KI-Kompetenz, abgerufen am 29. September 2026).
Ein bestimmtes Format schreibt Artikel 4 ebenfalls nicht vor. Nach der Kommission sollten die Maßnahmen mindestens abdecken, was KI ist und welche Risiken sie im eigenen Unternehmen mit sich bringt, welche Rolle das Unternehmen hat, also Anbieter oder Betreiber, und welche Risiken die konkret eingesetzten Systeme haben. Die Inhalte sollen zum Vorwissen und zur Aufgabe der Menschen passen (Europäische Kommission, Juli 2026). Eine Schulung ist dafür der naheliegende Weg, eine kurze KI-Richtlinie für Unternehmen ergänzt sie. Freiwillige Zertifikatslehrgänge etwa der IHK gibt es, für Artikel 4 sind sie keine Voraussetzung.
Was passiert, wenn ein Unternehmen nichts tut
Die Regeln zu Aufsicht und Durchsetzung gelten seit dem 3. August 2026, zuständig sind die nationalen Marktüberwachungsbehörden (Europäische Kommission, Juli 2026). Die deutsche Bußgeldvorschrift im KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz nennt Artikel 4 nicht (KI-MIG, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 29. September 2026). Wer im Schadensfall nicht zeigen kann, dass die Mitarbeiter eingewiesen waren, steht schlechter da. Die rechtliche Bewertung für deinen Betrieb übernimmt dein Anwalt, dieser Eintrag ist keine Rechtsberatung.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Für kleine und mittlere Unternehmen ist KI-Kompetenz vor allem eine Frage des Alltags: welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Kundendaten draußen bleiben und wie man eine Antwort gegenprüft. Dazu gehört auch das Wissen um Angriffe wie Prompt Injection, bei denen versteckte Anweisungen in Dokumenten ein KI-Werkzeug manipulieren, und um das Risiko privater Konten, das der Artikel Schatten-KI im Unternehmen beschreibt.
Ein pragmatischer Weg sieht so aus: erfassen, wer welches Werkzeug wofür nutzt, die Schulung an diesen Aufgaben ausrichten, Regeln schriftlich festhalten und Datum, Inhalt und Teilnehmer ablegen. Wie das in einer Schulung konkret aussieht, steht unter KI-Schulung für Mitarbeiter. Die ausführliche Rechtslage erklärt der Artikel KI-Schulungspflicht nach Artikel 4 EU AI Act, den Rahmen der gesamten Verordnung der Eintrag AI Act. gerlinger.ai schult Teams an ihren eigenen Aufgaben, das Angebot steht unter KI-Schulung.
Beispiele aus der Praxis
- Eine Sachbearbeiterin erkennt, dass eine KI-Zusammenfassung eine Vertragsfrist falsch wiedergibt, und prüft sie im Original nach
- Ein Monteur nutzt die freigegebene Firmenversion eines Chatwerkzeugs statt seines privaten Kontos
- Das Büro anonymisiert eine Kundenreklamation, bevor sie in ein KI-Werkzeug geht
- Die Geschäftsführung entscheidet, welcher Ablauf mit KI zuerst angegangen wird und wo ein Mensch das letzte Wort behält
Vorteile und Grenzen
Das spricht dafür
- Mitarbeiter nutzen KI-Werkzeuge produktiver, wenn sie wissen, wofür sie taugen
- Falsche Ergebnisse und Datenpannen fallen früher auf
- Dokumentierte Maßnahmen zeigen im Schadensfall, was das Unternehmen getan hat
- Artikel 4 lässt die Form offen, eine Schulung an eigenen Aufgaben erfüllt Pflicht und Nutzen zugleich
Das solltest du einplanen
- Eine einmalige Schulung veraltet, wenn neue Werkzeuge dazukommen
- Allgemeine Onlinekurse treffen die Aufgaben im eigenen Betrieb oft nur teilweise
- Die Dokumentation braucht einen festen Ort und eine zuständige Person
- Ob weitere Pflichten gelten, etwa bei Hochrisiko-KI oder mit Betriebsrat, klärt der Anwalt im Einzelfall
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 3 und 4EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2026/1744, Juli 2026EUR-Lex
- AI Literacy: Questions & Answers, Stand 27. Juli 2026Europäische Kommission
- KI-Kompetenz, abgerufen am 29. September 2026Bundesnetzagentur
- KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG)gesetze-im-internet.de
- Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, 14. September 2026Bitkom